EMI prüft DRM Verzicht

Und weiter geht der muntere Reigen. Man könnte meinen, dass durch den offenen Brief von Steve Jobs ein Perpetuum Mobile der digitalen Musik in Gang gesetzt wurde. Nachdem Jobs die Abschaffung von DRM gefordert hat, gab es mächtige Gegenwehr der Musikindustrie – wir berichteten hier darüber. Des weiteren gab es auch Fürsprecher, die auf der Seite von Jobs sind. Jetzt geht es mit in eine nächste Runde, in der Steve Jobs vielleicht Recht bekommen könnte.
EMI Musik ist derzeit dabei den Verkauf von Musik ohne Rechteverwaltung zu prüfen. Gespräche mit dem Webdienst Wippit sowie dem US-Anbieter E-Music werden derzeit geführt.
Weiter schreibt die Financial TImes Deutschland:
Das britische Musikunternehmen EMI verhandelt derzeit mit Onlinemusikläden über den Verkauf von Liedern ohne Spezialsoftware für die Rechteverwaltung (DRM). So führt der Konzern nach Informationen der FTD unter anderem Gespräche mit dem britischem Webdienst Wippit sowie dem US-Anbieter E-Music.
"Bereits im April könnte der Verkauf bei Wippit starten, heißt es in mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen. Allerdings seien die Gespräche noch nicht beendet, und daher sei noch nicht ganz sicher, ob EMI tatsächlich mit diesem neuen Geschäftsmodell starten werde. "Wir haben gute Beziehungen zu den dominierenden Musikkonzernen und diskutieren ständig mit ihnen", sagte E-Music-Chef david Pakman.
Ohne DRM-Software können die Musikdateien auf allen Musikspielern angehört werden – Kunden wären bei dem Kauf von Musik über das Internet nicht mehr an eine bestimmte Kombination aus Musikspieler und Webservice gebunden.
Zwar wächst der Verkauf von Musik über das Internet stark, aber bislang reicht das Volumen nicht aus, um den stetig schrumpfenden Absatz der CD-Verkäufe auszugleichen. Die Pläne, Musik ohne DRM-Software zu verkaufen, sind eine Reaktion auf diese Situation. Die Konzerne erhoffen sich von der Änderung ihres Geschäftsmodells mehr Schwung für den Musikverkauf über das Internet. Denn bislang lassen sich zum Beispiel bei iTunes gekaufte Lieder nur auf Apples Musikspieler iPod anhören. Ein Verzicht auf DRM würde den technischen Wirrwarr beenden und damit eine große Hürde aus dem Weg räumen. EMI hatte bereits einige wenige Titel der Künstlerinnen Norah Jones und Lily Allen als Datei ohne DRM verkauft und war nach Angaben aus Unternehmenskreisen sehr zufrieden mit dem Verlauf dieses Tests.
EMI ist dringend auf ein rasches Wachstum angewiesen. Der Konzern warnte Mitte Januar vor sinkenden Erträgen und entließ zwei Spitzenmanager. Zudem kündigte Konzernchef Eric Nicoli Einsparungen von 110 Mio. £ (166 Mio. Euro) an. Im ersten Halbjahr seines Geschäftsjahrs (Ende September 2006) erwirtschaftete EMI bei einem Umsatz von knapp 870 Mio. £ ein Minus von etwa 30 Mio. £.
Neben EMI brüten nahezu alle großen Musikkonzerne wie Universal Music Group oder Sony BMG über Strategien, wie ein Geschäftsmodell für den Verkauf von Musik ohne DRM aussehen könnte. Erst vor wenigen Tagen hatte Apple-Chef Steve Jobs die Musikkonzerne aufgefordert, auf die Software zu verzichten – ebenso wie Rob Glaser, Chef des Rivalen Real Networks.
Der amerikanische Webdienst E-Music verkauft Musik ausschließlich im MP3-Format, das keine DRM-Software enthält. Bei Wippit liegt der Anteil von MP3-Dateien an den verkauften Liedern nach eigenen Angaben bei über 80 Prozent – obwohl nur etwas über 30 Prozent aller bei Wippit geführten Titel als MP3 erhältlich sind."
von Arndt Ohler (Hamburg)
[via ftd.de] [at emi.de] [at emusic.com]