GEMA arbeitet doch, wenn auch nicht schnell

Der vor wenigen Woche angekündigte internationale Auftritt des populären Videoportals YouTube ist ohne ein deutsches Angebot gestartet. Am Dienstag gaben die beiden Unternehmensgründer Chad Hurley und Steve Chen den Startschuss für regionale Versionen für Brasilien, Frankreich, Irland, Italien, Japan, den Niederlanden, Polen, Spanien und Großbritannien. Offiziell machte YouTube "begrenzte Ressourcen" dafür verantwortlich, dass YouTube in der ersten Welle noch kein deutschsprachiges Programm präsentieren könne. Der tatsächliche Grund für das Scheitern eines deutschen YouTube-Ablegers sind Medienberichten zufolge jedoch ungeklärte Urheberrechtsfragen. So habe sich YouTube-Eigner Google nicht mit der GEMA über etwaige Vergütungen einigen können. So habe Google der GEMA vergeblich die Zahlung einer Pauschalgebühr vorgeschlagen, um die YouTube-Anwender von Forderungen der GEMA freizuhalten.
"Wir stehen in Verhandlungen mit verschiedenen Partnern, die Verhandlungen wurden nicht rechtzeitig zu Ende geführt", sagte etwa der deutsche Google-Sprecher Stefan Keuchel der "Welt": "Jetzt sind wir hoffentlich in einigen Monaten in einer zweiten Welle dabei." Die für die GEMA tätige Anwältin Kerstin Becker bestätigte der "Welt" laufende Verhandlungen. Dabei geht es aber offenbar neben der Frage von Lizenzen für die künftige Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke auch um deren bisherige Verwendung: "Uns geht es darum, einen ausgleich für die bisher in Deutschland stattgefundene Nutzung zu finden", sagte Becker. Für den verspäteten Start der deutschen YouTube-Plattform könne die Verwertungsgesellschaft aber nicht verantwortlich gemacht werden: "Uns den Schwarzen Peter zuzuschieben, wäre ungerecht." Details zu den verhandelten Summen nannte keine der beiden Seiten.