Digitalmusik

Musikpiraten geht es an den Kragen - "Aktion scharf"

abgelegt im Archiv News am 26.02.07

Musikpiraten geht es an den Kragen - "Aktion scharf"

Gerade töhnte ich noch, dass die Musikindustrie wie Unkraut wächst. Die Downloadzahlen schiessen in die Höhe und versprechen den Betreiber dicke Umsätze. Doch auch die Gegenseite ist natürlich immer aktiv. Die Rede ist von den Musikpiraten, die in Tauschbörsen zur Schädigung der Musikindustrie beitragen. Doch mit dem neuen stellvertretendem Geschäftsführer der deutschen Phonoverbände, Stefan Michalk brechen andere Zeiten an. Die neue Maßnahme: "Aktion scharf" wird eingeführt. Was darunter zu verstehen ist, könnt ihr im folgenden Interview von der sueddeutschen nachlesen.

"Der Gratis-Download von Musik gilt für die Musikindustrie nach wie vor als Grund für stetig fallende CD-Verkäufe. Nun kündigt sie eine "Aktion scharf" an.
Ein Interview mit Verbandssprecher Stefan Michalk von Paul Trummer

Stefan Michalk ist seit kurzem der stellvertretende Geschäftsführer der IFPI Deutschland.

Zum Jahreswechsel hat der Bundsverband der Phonographischen Wirtschaft IFPI angekündigt, 2007 monatlich 1000 Strafanzeigen gegen Nutzer illegaler Tauschbörsen zu stellen. Allerdings bemüht sich der Verband, bei dieser härteren Gangart gegen Raubkopierer differenziert vorzugehen. Nach den vielen negativen Meldungen über eine drohende Klageflut gegen Downloader soll die Stimmung nicht noch weiter angeheizt werden.

Insfofern legt der stellvertretende IFPI-Geschäftsführer Stefan Michalk Wert auf genaue Begrifflichkeiten. Es handele sich um "Strafanzeigen", nicht um "Klagen", da bestünde ein juristischer Unterschied, so Michalk."



Und vorgegangen werde nicht gegen Downloader, sondern nur jene, die Songs zum Download anbieten würden - Uploader sozusagen. Dass viele Downloader oftmals aber gar nicht wüssten, wie sie die Upload-Funktion ihres Programmes deaktivieren, räumt er ein.

sueddeutsche.de: Herr Michalk, die IFPI hat zum Jahreswechsel eine "Aktion scharf" gegen den illegalen Bezug von Musik angekündigt - was erwartet man sich davon?

Michalk: Wir wollen klarmachen, dass der Diebstahl geistigen Eigentums kein Kavaliersdelikt ist. Illegale Angebote stellen zunehmend eine existenzielle Bedrohung für alle Kreativindustrien dar. Dagegen wehren wir uns. Die Zahl der Strafanträge gegen Uploader in Tauschbörsen haben wir seit März 2004 stetig erhöht und werden das auch weiter tun.

sueddeutsche.de: Stehen alle Mitglieder des Bundesverbandes hinter dieser Maßnahme oder war sie eher umstritten?

Michalk: Unsere Mitglieder haben leider die Erfahrung gemacht, dass gut gemeinte Appelle wenig nutzen. Sicherlich gibt es hier und da die Befürchtung, Kunden zu verärgern. Deshalb muss gewährleistet sein, dass man wirklich nur die schwarzen Schafe erwischt.

sueddeutsche.de: Mit welchen Strafen müssen die Betroffenen rechnen?

Michalk: Das hängt stark vom Umfang des illegalen Angebotes ab und kann von ein paar hundert bis zu mehreren zehntausend Euro reichen.

sueddeutsche.de: Die Zahl von 1000 Anzeigen erscheint zunächst etwas willkürlich. Geht es da vor allem um die Schaffung eines Bewusstseins oder gibt es ein trennscharfes Kriterium, ab welchem die IFPI Anzeige erstattet?

Michalk: Uns geht es darum, das Bewusstsein für den Wert geistigen Eigentums zu schärfen, egal ob es um Musik, Spielfilme, Hörbücher, Spiele, Software, Fotografie oder andere Kreativleistungen geht. Die Musikindustrie hat hier eine unangenehme Vorreiterrolle, da sich Musik vergleichsweise leicht kopieren und tauschen lässt.

sueddeutsche.de: Die IFPI hat auch im vergangenen Jahr zahlreiche Klagen gegen Privatpersonen eingebracht - kann man bereits Auswirkungen dieser Vorgehensweise feststellen?
Michalk: Viele Anbieter und Nutzer illegaler Tauschbörsen glauben immer noch, dass sie sie im Internet unentdeckt bleiben. Aber wir werten es als Erfolg, dass die Anzahl illegaler Downloads trotz kontinuierlich steigender DSL-Anschlüsse nicht gestiegen ist.

sueddeutsche.de: Nun gilt ja der rückläufige CD-Absatz schon lange als Problemfall - gibt es schon Zahlen über den Markt 2006?

Michalk: Auch wenn die Absatzzahlen zurückgegangen sind, wird die CD noch lange das Rückgrat der Musikindustrie bleiben. Genaue Zahlen für 2006 liegen noch nicht vor, aber wir gehen davon aus, dass sich der Absatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr verlangsamt hat. Ob die Talsohle erreicht ist, wird sich in diesem Jahr zeigen.

sueddeutsche.de: Es verging kein Jahr ohne Jubelmeldungen über neue DVD-Rekordumsätze - können diese bereits den Umsatzrückgang bei den CDs wettmachen?

Michalk: Musik-DVDs haben sich im Markt etabliert. 2005 lag ihr Umsatzanteil bei circa sechs Prozent. Das reicht aber nicht, um die Umsatzrückgänge bei CDs wettzumachen.

sueddeutsche.de: Kann man sagen, wie viele Songs im vergangenen Jahr in Deutschland im Internet gekauft wurden?

Michalk: Der Downloadmarkt ist auch 2006 überproportional gewachsen. Allerdings wäre das Wachstum deutlich höher ausgefallen, wenn die illegale Konkurrenz im Web nicht zwei Klicks entfernt wäre. Eine legale Tankstelle hat es schwer, wenn 200 Meter weiter das Benzin umsonst angeboten wird.

sueddeutsche.de: Immer wieder wird der Musikindustrie vorgeworfen, sie hätte die Entwicklung von Online-Shops für Musik verschlafen. Gibt es schon konkrete Pläne, die verhindern, dass dies bei Musik-DVDs erneut passiert?

Michalk: Heute kann der Konsument aus einer großen Vielfalt von legalen Musikangeboten im Netz wählen. Musikvideos stehen schon heute in Video-On-Demand-Angeboten zur Verfügung. Ihre Nutzung ist letztlich eine Frage der zur Verfügung stehenden Bandbreite.

sueddeutsche.de: Herr Michalk, sie haben jeden Tag viel mit Musik, noch mehr aber mit damit verbundenen Zahlen zu tun - welche Musik hören Sie denn eigentlich zuhause?

Michalk:Ich würde sagen meine musikalischen Vorlieben sind Soul, R&B und Smooth Jazz z.B. wie Alicia Keys, Justin Timberlake und Diana Krall.

sueddeutsche.de: Herr Michalk, wir danken für das Interview.

Stefan Michalk ist seit wenigen Wochen stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft. Zuvor war er unter anderem Pressesprecher des VDZ Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, von Gruner + Jahr und Sony Deutschland sowie Redakteur bei der dpa.

[at www.sueddeutsche.de ]

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Tags: sueddeutsche  aktion  scharf  phonoverbände 

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